Warum kommt das Auto vom Bodensee?

 

Vor einiger Zeit fragte mich ein Kollege, warum ich meine Leasingfahrzeuge immer vom Bodensee beziehen würde und nicht aus einem Tübinger Autohaus – da wären doch die Wege kürzer, das wäre bequemer und in Sachen Ökologie vorteilhafter.

Tatsächlich habe ich meine Gründe. Es gibt eine Geschichte dazu: In den Jahren vor der Finanzkrise hatte ich viele berufliche und ehrenamtliche Kontakte zu mittelständischen Unternehmen auch im Bodenseekreis. Einer meiner Kontakte war der Besitzer eines Autohauses. Er war ähnlich alt wie ich und führte ein Unternehmen, das schon seit vielen Generationen in der Hand seiner Familie war. Natürlich wollte auch er es weitervererben.

Dann kam die Finanzkrise 2008/2009. Eine Phase, in der es unter anderem der Automobil-Industrie und vielen Autohäusern schlecht ging. Ich habe meinen Kunden, den Autohändler, damals regelmäßig angerufen. In einem dieser Gespräche erzählte er mir, dass es ihn diesmal richtig getroffen habe. Er müsse sich gravierende Maßnahmen überlegen.

Wir trafen uns am Bodensee und redeten. Er erzählte mir, dass er viele Forderungen nicht mehr bedienen könne. Mit dem Steuerberater habe er alle Möglichkeiten ausgereizt, nun stehe er am Scheideweg. Es gebe für ihn noch genau zwei Möglichkeiten, eine Insolvenz abzuwenden. Die eine: Er müsste schweren Herzens einen seiner Mitarbeiter entlassen. Bei näherer Betrachtung würde das einen Kollegen treffen, der schon seit vielen Jahren im Hause war (wie die meisten) und der immer viel zum Wohl des Familienbetriebs beigetragen hatte. Die andere Möglichkeit sei, eine seiner Lebensversicherungen aufzulösen, die eigentlich für seine Rente eingeplant waren. Dieses Geld nun in die Firma zu stecken, wäre allerdings ein großes Risiko: Derzeit sei ja weder das Ende der Krise absehbar noch die Folgen für die eigene Rente.

Wir sind an diesem Tag lange beieinandergesessen und haben geredet: über das Familienunternehmen, die Angestellten, die Familie, die Krise und die Aussichten. Über das Für und das Wider. Über das, was selbstverständlich sei, und über das, was er von anderen erwarten würde.

Einige Zeit später hörte ich, dass der langjährige Mitarbeiter geblieben war und sich der Inhaber selbst auf ein paar zusätzliche Berufsjahre eingestellt hatte. Das war mein Grund, meine Fahrzeuge seither dort zu leasen.

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