Glossar

A

Absprachen
Wenn sich Unternehmen, die miteinander im Wettbewerb stehen, heimlich absprechen, dann ist das in der Regel illegal. Bei unterschiedlichen Themen: wenn Märkte und Kunden für eine geplante Geschäftstätigkeit aufgeteilt werden oder wenn man sich auf Preise verständigt. Derartige Übereinkünfte sind in höchstem Maße unfair und setzen die Mechanismen eines funktionierenden Markts außer Kraft.

Agenten
Manchmal beauftragen Unternehmen jemanden damit, für sie Geschäfte anzubahnen, abzuschließen oder abzuwickeln. Diese Personen nennt man freie Mitarbeiter, Mittelspersonen, Berater, Vermittler, Vertreter – oder auch Agenten. Die Erfahrung zeigt, dass sie gelegentlich für illegale Geschäfte eingesetzt werden. Meist glaubt der eigentliche Auftraggeber, „sicher“ vor Strafverfolgung zu sein, indem er selbst nicht unmittelbar in Erscheinung tritt. Dies ist jedoch ein Irrtum. Auch die Auftraggeber illegaler Geschäfte können belangt werden.

AktG – Aktiengesetz
Das Aktiengesetz regelt viele Details rund um Aktiengesellschaften oder auch zu Kommanditgesellschaften auf Aktien: Errichtung, Verfassung, Rechnungslegung, Hauptversammlungen und Liquidation. Das Konzernrecht ist ebenfalls im Aktiengesetz geregelt

Amtsträger
Mit diesem Sammelbegriff meint man alle Personen, die in einem öffentlich-rechtlichen Amtsverhältnis stehen und in einer Behörde, einer öffentlichen Verwaltung oder in deren Auftrag handeln.

Anfüttern
Wenn jemand über einen gewissen Zeitraum hinweg kleinere Aufmerksamkeiten oder Einladungen bekommt, kann das auch eine Form von Anfüttern sein. Achtung: Die Grenzen zwischen unbedenklicher Höflichkeit und Bestechung werden schnell überschritten.

Angebotsabsprachen
vgl. Absprachen

Arbeitsstrafrecht
Das Arbeitsstrafrecht ist ein Teilgebiet des Wirtschaftsstrafrechts. Es erfasst alle Fälle, bei denen es um ein Fehlverhalten geht, das einen unmittelbaren Bezug zum Arbeitsplatz hat – sobald das Fehlverhalten als Straftat oder Ordnungswidrigkeit geahndet wird.

Auditierung
vgl. Compliance-Auditierung

B

BaFin
BaFin ist die Abkürzung für Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht. Die BaFin beaufsichtigt und kontrolliert als Aufsichtsbehörde des Finanzmarkts im Rahmen einer Allianzaufsicht alle Bereiche des Finanzwesens in Deutschland.

Bausteine Werte-Management
vgl. Werte-Management-Bausteine

Bestechung / Bestechlichkeit
Bestechung ist juristisch eindeutig definiert: Wenn jemand einem Amtsträger einen Vorteil oder Vergünstigungen bietet, verspricht oder gewährt – und wenn damit erreicht werden soll, dass dieser Amtsträger im Interesse dieser Person entscheidet oder handelt. Nicht nur derjenige, der besticht, macht sich strafbar, sondern auch der Amtsträger, der den Vorteil für sich selbst oder eine dritte Person fordert oder annimmt.

Business Conduct Code
Der Begriff Business Conduct Code wird allgemein als die englischsprachige Übersetzung für Verhaltenskodex verwendet. Business Conduct selbst bezeichnet im englischen Sprachgebrauch die Führung der Geschäfte eines Unternehmens, aber auch die rechtlichen und ethischen Verhaltenspflichten in einem Unternehmen.

Business Ethics
Business Ethics (oder Geschäftsethik) ist ein gängiger Begriff für die unternehmerische oder organisationsbezogene Unternehmensethik. Es geht um die Frage, wie man ethische, ökonomische, ökologische und soziale Anforderungen verankern kann – und zwar gleichermaßen im operativen Geschäft wie in der langfristigen Strategie von wirtschaftlich arbeitenden Institutionen. Unternehmen, die Business Ethics umsetzen, bemühen sich darum, ihre Geschäftspolitik, Unternehmensführung und Geschäftskultur so auszurichten und zu organisieren, dass ethisches Handeln und Verhalten in Wirtschaft und Gesellschaft nachhaltig gefördert werden, sowohl im Unternehmen selbst als auch durch das Unternehmen.

Business Transformation
Als Business Transformation werden Veränderungsprozesse von Unternehmen bezeichnet, in denen es um einen fundamentalen Wandel des Unternehmens, seiner Vision, seiner Strategie und seiner Beziehungen zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld geht. In der Transformation erfindet sich das Unternehmen neu oder definiert ein neues Geschäftsmodell. Business Transformation umfasst alle Bereiche des Unternehmens und geht über den Change (vgl. Change-Management) einzelner Teilbereiche weit hinaus.

C

CCO – Chief Compliance Officer
Im Zuge der Compliance-Entwicklung sind Abteilungen und Positionen entstanden, die sicherstellen sollen, dass Gesetze, Normen und Richtlinien eingehalten werden. Der CCO (Chief Compliance Officer) ist der Chef einer solchen Compliance-Abteilung.
Der CCO berichtet an die Geschäftsführung oder den Vorstand. Er legt einen jährlichen Compliance-Bericht vor. Wenn es Tochtergesellschaften gibt, berichten die Compliance Officers dieser Tochtergesellschaften an den CCO.
Zu den Aufgaben eines CCOs gehören in der Regel das Richtlinien- und das Verfahrensmanagement: Der CCO definiert Richtlinien und auch, wie diese umgesetzt werden. Neben der internen und externen Kommunikation zu Compliance ist auch die Schulung der Mitarbeiter seine Aufgabe. Für die Dokumentation der Abläufe ist er ebenfalls verantwortlich. Der Chief Compliance Officer übernimmt zudem die Compliance-Überwachung: Er bewertet und prüft, wie die Compliance im gesamten Unternehmen eingehalten wird. In den meisten Fällen gehört es auch ins Aufgabengebiet des CCOs, falsches Verhalten aufzudecken und Umstände oder Handlungen zu untersuchen, die gegen gesetzliche Bestimmungen oder interne Reglungen verstoßen (Non-Compliance). Dann macht er Vorschläge, wie die Compliance wiederhergestellt werden kann über organisatorische, strukturelle oder prozessuale Veränderungen.

CEO – Chief Executive Officer
Der CEO ist die angelsächsische Bezeichnung für die höchste Position im Unternehmen (Chief Executive Officer). Im deutschen Sprachraum entspricht dies in etwa den Positionen des geschäftsführenden Vorstandsmitglieds, des Vorstandsvorsitzenden oder des Generaldirektors eines Unternehmens oder auch einem allein zeichnungsberechtigten Geschäftsführer.

CFO – Chief Financial Officer
Der CFO (Chief Financial Officer) entspricht im Deutschen dem Kaufmännischen Geschäftsführer einer GmbH oder dem Finanzvorstand bei Aktiengesellschaften.

Change-Management
Change-Management oder Veränderungsmanagement befasst sich mit gezielten und geplanten Veränderungen im Unternehmen. Ausgangspunkt von Change sind dabei oft veränderte Markt- und Umfeldbedingungen, die eine strategische Anpassung nötig machen. Angepasst werden Strategie, Strukturen, Abläufe oder Prozesse einer Organisation. Häufige Ziele von Change-Management: Kosten senken, Wachstum erhöhen, Qualität von Produkten und Dienstleistungen steigern. Oft geht es auch ganz generell darum, die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen.

Code of Conduct
Als Code of Conduct bezeichnet man die Sammlung von Richtlinien und sonstigen internen Reglungen, die sich ein Unternehmen selbst auferlegt im Rahmen einer freiwilligen Selbstbindung. Dazu gehören in erster Linie die gültigen Verhaltensregeln, die festlegen, welches Verhalten erwünscht ist und welches unerwünscht. Thematisch kann so ein Regelwerk sehr breit angelegt sein. Neben dem Verhaltenskodex können auch Antikorruptionsregeln dazu gehören sowie Regelungen zum Umgang mit Kunden, zur Arbeitszeit oder zur CSR-Strategie (vgl. Corporate Social Responsibility; dies steht hier für gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen.) In diesem Sinne reflektiert der Code of Conduct die ethischen Grundsätze eines Unternehmens.

Compliance
Compliance meint im Unternehmens- und Organisationsbereich, dass die Gesetze und Regelungen befolgt werden, und wird oft auch als Regeltreue bezeichnet. Das umfasst alle Organisationsgrundsätze, dazu interne Kodizes und Richtlinien, auch die Prinzipien einer guten Unternehmens- oder Organisationsführung (Good Governance) sowie allgemein akzeptierte ethische Normen.
Das wesentliche Ziel von Compliance ist es, rechtswidriges Verhalten zu verhindern. Dafür arbeitet (Legal) Compliance mit klaren Regeln, Richtlinien und Kontrollen. In neuerer Zeit erweitert sich der Begriff zusehends: Auch ethisch-moralische Selbstverpflichtungen eines Unternehmens werden zu den einzuhaltenden Richtlinien und damit zur Compliance gezählt (Social Compliance).

Compliance-Auditierung
Mit einem Compliance-Audit prüft man, ob ein Compliance-Programm funktioniert. So ein Audit kann auf verschiedenen Wegen organisiert werden: intern, beispielsweise durch die interne Revision, oder auch extern, beispielsweise durch geeignete Beratungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften.
Voraussetzung für eine Auditierung ist, dass ein Unternehmen bereits ein Compliance-Programm hat und auch der normale Ablaufzyklus bereits durchlaufen ist, zumindest teilweise. Dies bedeutet nicht, dass bereits alle Compliance-Maßnahmen implementiert und umgesetzt sein müssen, die unter den Gesichtspunkten von Best-Practice und Angemessenheit für das Unternehmen notwendig sind.
In der Regel endet das Audit mit einem schriftlichen Bericht des Auditors. Der beinhaltet auch Empfehlungen, wie das Compliance-System angepasst und verbessert werden kann.

Compliance-Kultur
Die Compliance-Kultur (Unternehmenskultur) eines Unternehmens oder einer Organisation besteht aus einer Gesamtheit von Normen, Wertvorstellungen, Denkhaltungen, Riten, Symbolen und Umgangsformen. Sie alle zusammen prägen die Verhaltensweisen der Menschen im Unternehmen oder der Organisation – und somit auch das Erscheinungsbild nach außen.
Wenn jemand neu ins Team kommt, werden diese Verhaltensweisen weitervermittelt. Weil sie sich so gut „eingebürgert“ haben, gelten sie als die hier am besten geeignete Art zu denken, zu fühlen und Probleme zu lösen.

Compliance-Management
Compliance-Management nennt man es, wenn man Maßnahmen entwickelt und anwendet, mit denen Compliance sichergestellt werden soll. Mit Compliance-Management kann man die Einhaltung von Gesetzen ebenso sicherstellen und fördern wie auch die Einhaltung von internen Richtlinien eines Unternehmens, Konzerns oder einer Organisation.

Compliance-Management-System
Als Compliance-Management-System, oft auch kurz CMS genannt, wird ein Management-System bezeichnet, in dem all das zusammengefasst wurde, was die Compliance eines Unternehmens und die Regelkonformität sicherstellen soll – also alle Maßnahmen, Strukturen und Prozesse.

Compliance-Monitoring
Indem man Compliance-Monitoring einsetzt, kann man bewerten, wie gut ein Compliance-Management funktioniert. Das Monitoring klärt, ob wirksame Maßnahmen strukturell wie kulturell im Unternehmen verankert wurden. So unterstützt es auch die Weiterentwicklungen im Bereich Compliance. Monitoring kann ein Orientierungspunkt für die eigene Organisation sein, aber auch ein Ausweis gegenüber Dritten.

Compliance Officer
Der Compliance Officer ist für seine Compliance-Organisation verantwortlich. Er steht in engem Kontakt und ständigem Austausch mit der Geschäftsleitung oder berichtet an einen Chief Compliance Officer (vgl. CCO).

Compliance-Organisation
Die Compliance-Organisation kümmert sich vielerorts ums Umsetzen von Compliance. Denn in der Realität braucht es jemanden, der die Maßnahmen umsetzt, mit denen Compliance hergestellt wird, und diese Aufgaben werden oft delegiert.
Je nachdem, wie groß und komplex eine Firma ist, welche Strukturen sie hat, wird diese Stelle eher zentral oder eher dezentral aufgestellt. Ein Weg ist, daraus eine Stabsstelle zu machen oder eine unabhängige Abteilung, die direkt an den CEO berichtet. Denkbar ist es auch, sie als Teilbereich in der Rechtsabteilung anzusiedeln. Egal ob zentral oder dezentral, die Compliance Stelle berichtet direkt an die Geschäftsführung.
Welche Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten dieser Stelle zugeordnet werden, ist sehr unterschiedlich. Standard ist es, dass die Compliance-Organisation alle Mitarbeiter in Compliance-Fragen berät und sie auch dabei unterstützt, gesetzliche Vorschriften und unternehmensinterne Regeln einzuhalten. Wird gegen ein Gesetz oder eine Regel verstoßen, koordiniert die Organisation normalerweise auch die nötigen Schritte.

Compliance-Programm
Mit dem Begriff Compliance-Programm meint man das Bündel aller Maßnahmen, die zum Compliance-Management eines Unternehmens oder einer Organisation gehören.

Compliance-Risiko-Analyse (CRA)
Die Compliance-Risiko-Analyse ist eine systematische Suche: Man will damit mögliche Ursachen und Auslöser von eventuellen Fällen von Non-Compliance (Compliance-Risiken) frühzeitig entdecken. Diese Risiko-Analyse wird oft auch genutzt, um ein Compliance-System zu entwickeln, seine Details auszugestalten und Ziele zu definieren.
In der Compliance-Risiko-Analyse werden nicht nur branchenspezifische, finanzielle und strukturelle Risiken analysiert. Es kann auch um mögliche menschliche Risiken aus ethischen Fehlverhalten und um deren Ursachen gehen (vgl. ISO 31000 – Risikomanagement-Leitlinien).

Compliance-Ziele
Generell ist das Ziel von Compliance, dafür zu sorgen, dass Gesetze, Vorschriften und Auflagen eingehalten werden, ebenso die Richtlinien, denen das Unternehmen freiwillig folgt. Compliance soll diese Einhaltung mit geeigneten Maßnahmen sicherstellen. Es gibt aber nicht nur diese generellen Ziele. Hinzu kommen individuelle Ziele, die jedes Unternehmen für sich selbst definiert: Die Einzelziele werden aus der Risikoanalyse heraus abgeleitet. Dazu passend entwickelt man Compliance-Maßnahmen und definiert die Umsetzung bis auf die praktische Ebene mit erforderlichen Ressourcen, verantwortlichen Personen und einem Umsetzungszeitraum. Hinzu kommt ein Verfahren der Auswertung, um die Ergebnisse zu dokumentieren.
Ein Beispiel: Gab es in einem Unternehmen Unregelmäßigkeiten im Bereich öffentlicher Ausschreibungen, dann resultiert daraus oft die von außen auferlegte Pflicht, nachzuweisen, dass die Präventionsmaßnahmen funktionstüchtig sind. In einer solchen Konstellation sind die Compliance-Ziele ganz anders, als wenn ein Maschinenbauerhersteller in den asiatischen Markt expandieren will und sich vor Risiken im Umgang mit fremden Kulturen und staatlichen Stellen absichern will. Compliance-Ziele stehen, wie diese Beispiele zeigen, in direkter Verbindung zur Unternehmensstrategie, zu Unternehmenszielen und den Ergebnissen der vorgelagerten Risikoanalyse. Compliance-Ziele bestimmen wesentlich den Aufbau und die Schwerpunktsetzung und Ausgestaltung eines Compliance-Management-Systems.

(Good) Corporate Governance
(Good) Corporate Governance beschreibt die (gute) verantwortungsvolle Unternehmensführung und -steuerung. Alle gesetzlichen Regeln und anerkannten Standards sorgfältiger Unternehmensführung gehören mit dazu.

Corporate Social Responsibility (CSR)
Mit dem Begriff CSR werden im Unternehmen allgemein die Vorstellungen, Diskussionen, Ideen und Maßnahmen bezeichnet, die (freiwillige) Verpflichtungen und sowie die Rolle eines Unternehmens in der Gesellschaft umfassen. Im deutschen Sprachraum wird auch von der „sozialen Verantwortung von Unternehmen“ gesprochen. Da es allgemein keine anerkannte Definition gibt, herrscht je nach Standort des Definierenden auch eine mehr oder weniger große Nähe zum Thema Nachhaltig (sustainability), die Unternehmen eine Rechenschaft nach sozialen, ökologischen und ökonomischen Kriterien abverlangt.

CPI
Die Abkürzung CPI steht für Corruption Perception(s) Index. Auf Deutsch übersetzt ist es der Korruptionswahrnehmungsindex. Er wird von Transparency International aufgestellt. Der Index listet jährlich Länder danach auf, wie korrupt Politik und Verwaltung in den jeweiligen Ländern im Vergleich wahrgenommen werden (vgl. Transparency International).

D

Datenschutz
Datenschutz heißt, personenbezogene Daten vor Missbrauch zu schützen und die unantastbare Privatsphäre des Einzelnen zu sichern. Jeder Mensch soll grundsätzlich selbst entscheiden können, welche persönlichen Informationen er wem zu welchem Zeitpunkt zugänglich machen möchte und ob seine Angaben weiterverarbeitet oder genutzt werden können. 

Deliktsprävention
Bei der Deliktsprävention geht es darum, einer Straftat vorzubeugen. In einem Unternehmen soll sie vor allem wirtschaftskriminelle Handlungen verhindern, die dem Betrieb und seinem Ruf schaden – und letztlich auch erheblich finanzielle Konsequenzen haben.

E

ESG-Kriterien (Environmental, Social and Governance)
Der Begriff ESG gilt als Standard für nachhaltige Anlagen. E steht für Environment, S für Social und G für Governance.
Environment beinhaltet dabei Umweltverschmutzung oder -gefährdung, Treibhausgasemissionen oder Energieeffizienz-Themen (Umwelt). Social steht für Aspekte wie Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz, Diversity oder gesellschaftliches Engagement, also Social Responsibility. Und als Governance („G“) wird eine nachhaltige Unternehmensführung verstanden, also Unternehmenswerte wie auch die Steuerungs- und Kontrollprozesse (Corporate Governance).
Dass solche Kriterien beachtet werden, das wird heute immer wichtiger. Viele Investoren beispielsweise im Bau- und Immobilienbereich fordern und fördern das.

F

Facilitation Payments
Facilitation Payments sind sogenannte Beschleunigungsgelder. Man zahlt sie an Amtsträger, wenn man eine Handlung initiieren oder beschleunigen möchte, auf die man grundsätzlich schon einen Anspruch hat, aber möglicherweise warten müsste (beispielsweise Passkontrolle oder Zollabfertigung).
Das deutsche Strafrecht sieht keine besondere Regelung zu Facilitation Payments vor. Ob der Vorgang strafbar ist, misst sich allein an den Tatbeständen des § 333 StGB (Vorteilsgewährung) und des § 334 StGB (Bestechung). Wenn ein Mitarbeiter eines Unternehmens einen dieser Tatbestände erfüllt, kann das auch zu einem Thema fürs Unternehmen werden: In dem Fall besteht das Risiko, dass gegen das Unternehmen ein Bußgeld festgesetzt wird nach § 30 OWiG.
Facilitation Payments an ausländische Amtsträger sind nach deutschem Recht in der Regel straffrei. Allerdings sind Fälle denkbar, in denen Facilitation Payments strafbar sein können.

FCPA – Foreign Corrupt Practices Act
Der FCPA ist ein Bundesgesetz der USA. Es verbietet Zahlungen und Wertgeschenke an ausländische staatliche Amtsträger, die den Zweck haben, den Zuschlag für ein Geschäft zu bekommen oder eine Geschäftsbeziehung aufrechtzuerhalten.

Führungsethik
Unter Führungsethik wird die kritische Auseinandersetzung mit der Frage verstanden, wie die Beziehungen zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden menschenwürdig und fair zu gestalten sind. Führungsethik ist also kein Führungsinstrument und keine Führungsmethode. Moderne Führungsethik reflektiert die Rahmenbedingungen, innerhalb derer führungstechnische Methoden legitim sind, mit denen zielorientierte Verhaltenssteuerung und Kontrolle der Mitarbeiter legitim sind.
Zu diesem Thema gibt es erstaunlich wenig Literatur. Dort standen lange Zeit tugendethische Charakter- und Verhaltensanforderungen an gute Führungspersönlichkeiten in Vordergrund. Erst in neuerer Zeit werden weitere Fragen mit einbezogen, nun geht es in der Diskussion auch um asymmetrische Rollen- und Machtverteilung in hierarchischen Organisationen.

G

Geldwäsche
Unter Geldwäsche versteht man, wenn illegal erwirtschaftetes Geld eingeschleust wird in den legalen Finanz- und Wirtschaftskreislauf. Mit Geldwäsche soll meist die Herkunft von Geld verschleiert werden, oft soll Geld vor dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden oder des Finanzamts geschützt werden.
Bei Geldwäsche sind immer sogenannte Vortaten im Spiel. Das können Verbrechen oder Vergehen sein wie gewerbs- und bandenmäßig begangene Taten. Die höchste Geldwäsche-Bedrohung herrscht bei Delikten wie Betrug, Drogenkriminalität, Prostitution und Menschenhandel, die oft auch in Zusammenhang stehen mit organisierter Kriminalität.

Good Corporate Governance
vgl. Corporate Governance

GwG – Geldwäschegesetz
Das Geldwäschegesetz GwG soll verhindern, dass Gewinne aus Straftaten in den legalen Geldkreislauf und die Finanzierung des internationalen Terrorismus überführt werden können. Außerdem geht es in diesem Gesetz darum, Gewinne aus schweren Straftaten aufzuspüren.

GWB – Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen
Das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen soll einen funktionierenden, ungehinderten und möglichst vielgestaltigen Wettbewerb sicherstellen. Deswegen regelt es vor allem die Anhäufung und den Missbrauch von Marktmacht sowie die Koordination und Begrenzung des Wettbewerbsverhaltens der Marktteilnehmer. Zentral sind das Verbot wettbewerbsbeschränkender Absprachen (Kartelle), das Verbot von marktbeherrschenden Stellungen sowie die Kontrolle von Unternehmenszusammenschlüssen. Geklärt werden zudem die Aufgaben und Rechte der Wettbewerbsbehörden (Bundeskartellamt) sowie die Grundlagen zum Vergaberecht.

I

IDW PS 980
Der IDW PS 980 ist ein Prüfungsstandard: konkret der 2011 vom Institut der Deutschen Wirtschaftsprüfer (IDW) entwickelte Standard „Grundsätze ordnungsgemäßer Prüfungen von Compliance Management Systemen”.
Primäre Adressaten des IDW sind Wirtschaftsprüfer, die eigenverantwortlich Prüfungen von Compliance-Management-Systemen (CMS) vornehmen.
Um eine Prüfung auf der Grundlage des IDW PS 980 zu machen, muss man kein Wirtschaftsprüfer sein. Deswegen wird auch kein Zertifikat mit Außenwirkung vergeben, anders als beispielsweise bei einem Jahresabschluss.
Nach PS 980 sollte ein Compliance-System sieben Grundelemente haben, die gleichsam die Soll-Anforderungen darstellen: 1. Compliance-Kultur, 2. Compliance-Ziele, 3. Compliance-Risiken, 4. Compliance-Programm, 5. Compliance-Organisation, 6. Compliance-Kommunikation sowie 7. Compliance-Überwachung und -Verbesserung.

IKS – Internes Kontroll-System
Unter dem Begriff IKS versammeln sich diverse Kontroll-Mechanismen eines Unternehmens. In der Regel werden Grundsätze, Verfahren und Maßnahmen geprüft, die von der Geschäftsleitung eingeführt wurden und mit denen das Unternehmen mehrere Ziele verfolgt: 1. die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Tätigkeiten der Firma sicherzustellen, 2. die interne und externe Rechnungslegung auf Ordnungsmäßigkeit und Verlässlichkeit zu überprüfen und 3. die Einhaltung der für das Unternehmen maßgeblichen rechtlichen Vorschriften sicherzustellen.
Die internen Kontrollen können den Arbeitsabläufen vor-, gleich- oder nachgeschaltet sein.

ILO-Kernarbeitsnormen
Als Kernarbeitsnormen werden internationale Übereinkommen der ILO (vgl. Internationale Arbeitsorganisation) bezeichnet. Sie sollen Sozialstandards im Rahmen der Welthandelsordnung ebenso sicherstellen wie menschenwürdige Arbeitsbedingungen und einen hinreichenden Schutz von Arbeitnehmern.

Integrität
Integrität steht sowohl für Gesetzestreue und Unbestechlichkeit als auch für die Ausrichtung an ethischen Werten und Prinzipien. Man spricht von persönlicher Integrität, wenn es jemandem gelingt, dass seine Worte und sein Verhalten mit seinen Werten übereinstimmen. Wenn der Begriff Integrität im Kontext von Unternehmen verwendet wird, meint man damit mehr als reine „rechtliche Compliance“ (legal compliance): Dann geht es auch um eine Orientierung an ethisch-sozialen Werten, also um Persönliches auch im Arbeitskontext.

Integritäts-Management
Wer von Integritäts-Management spricht, meint in der Regel, dass ein Unternehmen Systeme einführt, mit denen nicht nur die Compliance, sondern darüber hinausgehend auch Werte gesteuert und gestärkt werden sollen.
Ein so ausgestaltetes Integritäts-Management fördert im Rahmen des Compliance-Managements die Einhaltung von Gesetzen, Unternehmens- oder Konzernrichtlinien. Zugleich stärkt es im Rahmen des Werte-Managements die „prinzipiengeleitete“ Unternehmensführung. So gibt man den Mitarbeitern zusätzliche, generelle Orientierung für nicht klar geregelte Bereiche und befähigt sie zu selbstständigem und verantwortlichem Handeln und Verhalten.

Insiderhandel
Insiderhandel ist ein Begriff des Finanzmarkts, speziell des Aktienhandels. Er beschreibt eine Situation, in der jemand mit Wertpapieren handelt und dabei Insider-Informationen verwendet, üblicherweise zu seinem Vorteil. Typische Insiderinformation können beispielsweise sein: Übernahmeangebote, Unternehmensfusionen, ein Forschungserfolg eines Unternehmens, Großaufträge, unerwartete Gewinnsteigerungen oder ein unerwarteter Gewinneinbruch, ein bevorstehender Insolvenzantrag oder größere Personalveränderungen. Denn alle diese Informationen können Kurssteigerungen oder Kursverfälle an der Börse nach sich ziehen. Das Wertpapierhandelsgesetz verbietet Insiderhandel. Es greifen die sogenannten Insiderregeln, wonach die Nutzung oder unbefugte Weitergabe von solchen nicht öffentlich bekannten kursrelevanten Informationen tabu sind. Insiderhandel ist in Deutschland und den meisten Mitgliedstaaten der Europäischen Union eine Straftat, da er die Funktionsfähigkeit des Kapitalmarkts beeinträchtigt.

Interessenkonflikte
Als Interessenkonflikt (manchmal auch Interessenskonflikt geschrieben) oder Zielkonflikt bezeichnet man eine Situation, in der eine Person es mit gegensätzlichen Interessen zu tun hat. Indem diese Interessen zusammentreffen, wird die Person in ihrer eigentlichen Tätigkeit möglicherweise beeinflusst, dann sind ihre Entscheidungen nicht objektiv.
Einige Beispiele: Im öffentlichen Dienst kommen Interessenkonflikte vor, wenn eine Person einerseits verantwortlich ist für die Entscheidung über Haushaltsmittel und andererseits in einer wie auch immer gearteten Beziehung zu einer Firma, einem Unternehmen oder einer Organisation steht, die möglicherweise Mittel erhalten können. Auch in der Auftragsvergabe von Firmen entstehen Konflikte, wenn die Person, die den Auftrag vergibt, einen persönlichen Vorteil hat, vielleicht Zuwendungen monetärer oder nicht-monetärer Art. In Personalabteilungen drohen Konflikte, wenn Freunde oder Bekannte sich bewerben.
Interessenskonflikte sollte man aktiv offenlegen. Manchmal werden sie auch aufgedeckt, bevor Schaden entsteht. Denn tatsächlich drohen wirtschaftliche und Image-Schäden. Schwerwiegende Interessenkonflikte können sogar dazu führen, dass ein Unternehmen haftet, wenn die Unternehmensführung nicht nachweisen kann, dass sie ihre Sorgfaltspflicht erfüllt hat.

Internationale Arbeitsorganisation (ILO)
Die im Jahr 1919 gegründete Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) ist eine Organisation der Vereinten Nationen, ihr Hauptsitz ist Genf. Die ILO beschäftigt sich vor allem damit, internationale Arbeits- und Sozialnormen zu formulieren und durchzusetzen. Im Fokus stehen Kernarbeitsnormen, die soziale und faire Gestaltung der Globalisierung sowie die Schaffung von menschenwürdiger Arbeit – als zentrale Voraussetzung für die Armutsbekämpfung. Diese Ziele sind auch in der Verfassung der ILO festgelegt.

ISO
ISO ist die International Organization for Standardization. Im Deutschen steht ISO für die Internationale Organisation für Normung. Deutschland wird in der ISO seit 1951 durch das Deutsche Institut für Normung e. V. (DIN) vertreten.
Die ISO erarbeitet Normen in fast allen Bereichen. Ausnahmen sind Elektrik, Elektronik und Telekommunikation, die durch eigenständige Organisationen vertreten werden. Für Elektrik und Elektronik ist das die Internationale elektrotechnische Kommission (IEC), für Telekommunikation die Internationale Fernmeldeunion (ITU). Gemeinsam bilden diese drei Organisationen die WSC (World Standards Cooperation).

ISO 9001 – Qualitätsmanagement-Norm
Die ISO 9001 ist eine internationale Norm für Qualitätsmanagement. Als Qualitätsmanagement-System wird eine Sammlung von Richtlinien, Prozessen, dokumentierten Verfahren und Aufzeichnungen bezeichnet, die bestimmen, wie ein Unternehmen seine Produkte herstellt und an die Kunden liefert oder seine Dienstleistungen erbringt. In der ISO 9001 sind die Mindestanforderungen festgelegt.

ISO 14001 – Umweltmanagementsystem-Norm
Die internationale Umweltmanagementnorm ISO 14001 legt weltweit anerkannte Anforderungen an ein Umweltmanagementsystem (UMS) fest. Mit einem UMS versuchen Firmen, ihren betrieblichen Umweltschutz zu organisieren, Umwelt-Rechtsvorschriften einzuhalten sowie negative Umweltauswirkungen zu minimieren.
Für jede Branche gibt es je nach Land oder Bundesland unterschiedliche Umweltschutzbestimmungen. Berücksichtigt werden darin, am Beispiel des produzierenden Gewerbes, Aspekte wie der Verbrauch von Rohstoffen, der Verkehr, Abfälle, die Biodiversität, aber auch eventuelle Luft-, Wasser- oder Bodenverunreinigungen.

ISO 19600 – Leitfaden für Compliance-Management-Systeme (CMS)
Die ISO 19600 ist eine international anerkannte Richtlinie, in der es um die Rahmenbedingungen für Compliance-Management-Systeme (CMS) geht. Die Richtlinie beschreibt, wie solche Systeme eingerichtet und implementiert werden. So sollen einheitliche Standards und größere Transparenz erreicht werden.
Die ISO 19600 beschreibt ausführlich, wie ein Unternehmen sein Compliance-Management-System gestalten soll, um damit internationalen Rechtsnormen zu genügen. Dabei stehen nicht nur Regeln und Normen im Fokus: Die ISO 19600 setzt auf die Verantwortung von Führung sowie auf die Einhaltung gesellschaftlicher und ethischer Werte.
Laut der ISO 19600 basiert ein Compliance-Management-System auf fünf Säulen: 1. Bewertung der Compliance-Risiken (Compliance-Risikolandkarte) als Basis für alle Maßnahmen. 2. Führung als zentrale Instanz für das Compliance-Bekenntnis und – noch wichtiger – als Vorbildfunktion. 3. Systemische Steuerungs- und Kontrollmaßnahmen wie Verhaltenskodex, Prozessbeschreibungen und Handlungsanweisungen. 4. Training und Kommunikation, um Mitarbeiter handlungsfähig zu machen (Erkennen, Bewerten, Entscheiden, Handeln). 5. Monitoring und interne Audits zur regelmäßigen Kontrolle der Wirksamkeit.

ISO 26000 – Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung von Organisationen
Die ISO 26000 ist die erste internationale Norm, die sich mit gesellschaftlicher Verantwortung befasst. Sie richtet sich an alle Arten von Organisationen und Unternehmen. Kernthemen der ISO 26000 sind Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitspraktiken, Umwelt, faire Betriebs- und Geschäftspraktiken, Konsumentenanliegen sowie Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft.

ISO 31000 – Risikomanagement-Leitlinien
Die 2018 veröffentlichte ISO 31000 ist eine internationale Leitlinie, die sich darauf fokussiert, wie man mit Risiken im Unternehmenskontext umgeht. Die Norm ist so ausgestaltet, dass sie an jedes Unternehmen in seiner spezifischen Umgebung angepasst werden kann. Sie liefert darum einen sehr allgemeinen Ansatz, der weder industrie- noch branchenspezifisch ist. Er kann auch auf jede Art von Risiken angewandt werden.
In der ISO 31000 wird ein Vorgehen beschrieben, das mit definierten und standardisierten Schritten die tägliche Arbeit im Risikomanagement erleichtern und eine transparente Entscheidungsfindung ermöglichen soll.

ISO 37001 – Anti-Korruptionsmanagement-Systeme
Die ISO 37001 sammelt branchenübergreifende Leitlinien und Anforderungen rund um Anti-Korruptionsmanagement-Systeme. Thematisiert werden Einrichtung, Implementierung, Pflege, Überprüfung und Verbesserung der Systeme.
Gedacht ist diese Norm für ganz unterschiedliche Organisationstypen wie Unternehmen, Stiftungen oder Verbände des privaten und öffentlichen Bereichs. Sie ist so aufgebaut, dass sie auch von kleineren Organisationen umsetzbar ist und sich gut in bestehende Managementsysteme integrieren lässt.
Die ISO 37001 ist im Gegensatz zu einigen anderen ISO-Normen eine zertifizierbare Norm.

ISO 37002 – Whistleblowing-Management-System
Whistleblowing ist heute in vielen Bereichen zu einem selbstverständlichen und wichtigen Bestandteil der Compliance-Struktur geworden. Ein neuer Standard soll verbindliche Strukturen für Whistleblowing schaffen – bis Ende 2021 soll das Regelwerk fertiggestellt werden.
Was die ISO 37002 regeln soll: Datensicherheit, Sicherstellung eines anonymen Dialogs mit dem Hinweisgeber sowie den Schutz derjenigen, die Bericht erstatten. Die Norm wird als Richtliniennorm erstellt. Sie soll Unternehmen und Organisationen praktische Anleitungen geben, wie man Whistleblowing-Systeme aufbaut und betreibt.

K

Kartellrecht
Das Kartellrecht ist ein Teilbereich des Wirtschaftsrechts. Darin wird geregelt, wie mit Kartellen umgegangen werden soll. Als Kartell gilt hier eine Vereinbarung von zwei oder mehreren Unternehmen, die den freien und fairen Wettbewerb einschränken, verfälschen oder verhindern, beispielsweise durch Preisabsprachen. Zu den wesentlichen Inhalten des Kartellrechts gehören das Kartellverbot, das Verbot des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung und die Zusammenschlusskontrolle bei Unternehmensfusionen. In Deutschland sind die zentralen Normen des Kartellrechts in das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (vgl. GWB) eingeflossen.

Kickback
Kickbacks sind Bestechungs- oder Schmiergeld-Zahlungen. In diesem Fall geht es um die Rückerstattung eines Teilbetrags zwischen mindestens drei Personen. Ein Beispiel: Der Vermittler eines Geschäfts bekommt einen Teil des gezahlten Betrags, ohne dass der eigentliche Auftraggeber dies weiß. Organisiert werden kann dies beispielsweise durch überhöhte Provisionsvereinbarungen oder überhöhte Rechnungen. Kickbacks sind illegal. Sie stellen nach Rechtsprechung des BGH eine Vertragsverletzung dar, weil der letztlich Zahlende in der Regel davon nichts weiß. Als Synonym für Kickbacks wird auch der Begriff „verdeckte Provisionen“ verwendet.

Korruption
Unter dem Begriff Korruption versammelt man verschiedene Delikte: Bestechung, Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung, aber auch Geldwäsche, Amtsmissbrauch, illegale Absprachen oder Betrug. Im juristischen Sinne steht Korruption für den Missbrauch einer Vertrauensstellung in Verwaltung, Justiz, Wirtschaft, Politik oder auch in Verbänden und anderen Organisationen wie Stiftungen.
Die Gemeinsamkeit bei Korruption ist das Ziel, sich einen materiellen oder immateriellen Vorteil zu verschaffen, auf den kein rechtmäßiger Anspruch besteht. Korruption ist ein Phänomen, das es in der Geschichte schon immer gab. Ob es Käuflichkeit in der Politik ist oder die Versuche, durch Schmiergelder wirtschaftliche Vorteile zu erlangen: Korruption verursacht nicht nur materielle Schäden, sondern untergräbt auch das Fundament einer Gesellschaft.
Korruptionsbekämpfung baut im Wesentlichen auf drei Säulen: Herstellung von Transparenz, Offenlegung und offene Kommunikation.

M

Monitoring
vgl. Compliance-Monitoring

O

OECD – Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die internationale Organisation hat rund 40 Mitgliedsstaaten. Ihre Kernthemen sind die Entwicklung und Gewährung von Demokratie und Marktwirtschaft.

OECD-Leitsätze
Die OECD-Leitsätze sind neben den ILO-Kernarbeitsnormen und dem UN Global Compact weltweit das wichtigste Instrument, um verantwortungsvolle Unternehmensführung zu fördern. Die Leitsätze richten sich an multinationale Unternehmen aller Größen. Sie enthalten allgemeine Empfehlungen zu Corporate Governance, aber auch spezielle Empfehlungen für unternehmensinterne Maßnahmen rund um Korruptionsbekämpfung und fairen Wettbewerb (vgl. ILO-Kernarbeitsnormen und UN Global Compact).

Ombudsperson
Eine Ombudsperson agiert als unparteiische Schiedsperson. Die Ombudsperson soll in einer Organisation oder in der Öffentlichkeit die ungerechte Behandlung von Personengruppen verhindern.
In der Wirtschaft kennt man Ombudspersonen heute als meist externe unabhängige Personen, bei denen Verdachtsfälle auf Korruption gemeldet werden können. Wichtig ist dabei die Anonymität. Oft fungieren externe Rechtsanwälte als Ombudspersonen. Sie informieren die zuständigen Stellen, ohne dabei die Identität der Kontaktperson weiterzugegeben.
Der Begriff Ombud kommt aus dem Altnordischen und steht für „Vollmacht“. Ombud bezeichnet eine meist ehrenamtliche Aufgabe.

R

Revision
Innerhalb eines Unternehmens übernimmt die Revision (auch interne Revision genannt, IR) die Rolle einer unabhängigen Prüfabteilung. Die Revision hat Prüfungs- und Beratungsfunktion für die Geschäftsführung. Sie überprüft alle unternehmerischen Handlungen, das Risikomanagement sowie alle Kontrollen, Führungs- und Überwachungsprozesse, ob diese ordnungsmäßig, zweckmäßig und wirtschaftlich ablaufen. Außerdem soll sie Fehler und ihre Ursachen aufdecken und Vorschläge für Verbesserungen erarbeiten.

Risikomanagement
Dass jemand unternehmerische Risiken übernimmt, ist ein Grundmerkmal jeglicher unternehmerischen Tätigkeit. Indem man ein Risikomanagement etabliert, versucht man, die für das Unternehmen bereits bestehende Risiken zu steuern und künftige Risiken zu planen. Indem Risiken identifiziert, analysiert, quantifiziert, bewertet und bewältigt werden, sollen die Auswirkungen von Risiken gesenkt werden. Ziel ist, dass diese Risiken weder den Bestand noch den Erfolg einer Firma gefährden können.

S

Sachzuwendung
Sachzuwendungen sind Zusatzleistung des Arbeitgebers, also etwas, was Beschäftigte zusätzlich bekommen neben der vereinbarten Leistungen sowie der Lohn- oder Gehaltszahlung.
Solche Sachzuwendungen sind explizit keine Lohn- oder Gehaltsumwandlung. Man findet sie beispielsweise in Form von Restaurant-Schecks, Tickets für ein Bundesligaspiel oder als Zuschuss für die Kosten des Fitnessstudios. Der § 8 Abs. 2, Satz 11 im Einkommensteuergesetz (EStG) regelt: Es gibt eine Freigrenze von 44 Euro pro Kalendermonat.

Schmiergeld
Als Schmiergeld bezeichnet man heute Geldzuwendungen oder sonstige materielle Vorteile, die jemand aufwendet, um eine andere Person zu einem oft rechtswidrigen Verhalten zu veranlassen oder sich erkenntlich zu zeigen (siehe auch Bestechung).
Schmiergeld konnte bis 1995 in Deutschland als Betriebsausgabe von den Steuern abgesetzt werden.
Der Begriff als solcher ist historisch: Im öffentlichen Postkutschen-Verkehr des 19. Jahrhunderts war das Schmiergeld eine feste Gebühr, die jeder Fahrgast zahlen musste. Das Geld wurde zumindest teilweise zum Schmieren verwendet: Die Achsen der Kutschen mussten an jeder Haltestation erneut geschmiert werden. Außerdem enthielt der Betrag auch ein festes Trinkgeld.

Schwarzarbeit
Als Schwarzarbeit gilt Arbeit, für die weder Steuern noch Sozialversicherungsbeiträge gezahlt werden. Auch Dienstleistungen oder Erbringung von Werkleistung können gemeint sein. Schwarzarbeit ist weder behördlich angemeldet noch liegen Genehmigungen der Gewerbe- oder Handwerksorganisationen vor. Schwarzarbeit wird in der Regel mündlich vereinbart und bar bezahlt.
Spätestens seit es die Gesetze zur Bekämpfung der Schwarzarbeit und illegalen Beschäftigung gibt, wird Schwarzarbeit in Deutschland als Straftat und Steuerhinterziehung gewertet.
Schwarzarbeit wird in Deutschland durch den Zoll bekämpft, der dafür weitreichende Rechte hat. Er ermittelt in der Regel wegen Leistungsmissbrauch, Hinterziehung von Sozialversicherungsabgaben, Hinterziehung von Steuern sowie Verletzung von Mitteilungspflichten gegenüber dem Sozialleistungsträger. Hinzu kommen oft auch Ermittlungen wegen illegaler Ausländerbeschäftigung oder Menschenhandel.

Schwarzgeld
Der Begriff Schwarzgeld ist gesetzlich nicht definiert. In der Umgangssprache ist Schwarzgeld eine Bezeichnung für unversteuerte Einnahmen, die aber steuerpflichtig gewesen wären. Überwiegend geht es um Geld aus unternehmerischer oder freiberuflicher Tätigkeit.

Schwarzgeld-Abrede
Bei einer Schwarzgeld-Abrede (auch Schwarzgeld-Vereinbarung) vereinbaren Arbeitnehmer und Arbeitgeber, dass das Arbeitsentgelt ganz oder teilweise unter Umgehung der Steuer und der Sozialversicherung gezahlt wird. Das ist nicht legal.

SECSecurities and Exchange Commission
Die SEC ist die US-Amerikanische Börsenaufsichtsbehörde, der volle Name: U. S. Securities and Exchange Commission. Sie kontrolliert den Wertpapierhandels und hat ihren Sitz in Washington.
Die SEC durchleuchtet den Handel mit Wertpapieren auf Recht- und Ordnungsmäßigkeit und prüft auch, ob börsenrechtliche Anordnungen eingehalten werden. Dafür wurde die SEC mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet (legislative, exekutive sowie judikative Kompetenzen). Die SEC hat eigene Ermittlungskompetenzen und kann Bußgelder in einer Höhe bis zu einer Milliarde Dollar verhängen. Jährlich werden etwa 400 bis 500 Verfahren gegen Unternehmen oder Privatpersonen eingeleitet.

Alle ausländischen Unternehmen, die den US-amerikanischen Kapitalmarkt nutzen möchten oder an der Börse New York Stock Exchange gelistet sein wollen, müssen bei der SEC registriert sein. Sie müssen sich stets auch den umfangreichen international geltenden Regeln der SEC unterwerfen. Das betrifft auch viele deutsche Unternehmen. Etliche von ihnen sind in den letzten Jahren bei Konfliktfällen teils mit drakonischen Strafen belegt worden, darunter Daimler, Volkswagen, Deutsche Bank und Siemens.

Spenden und Sponsoring
Spender und Sponsoren werden oft in einem Atemzug genannt. Allerdings muss man einen bedeutenden Unterschied beachten. Eine Spende ist frei von jeder Gegenleistung und unterstützt in voller Höhe einen gemeinnützigen Zweck. Sponsoring ist der richtige Begriff für alle Zuwendungen, bei denen eine Gegenleistung gewünscht wird, beispielsweise den Aufdruck eines Firmenlogos auf Trikots oder ähnliches.
Für Spenden bekommt man in der Regel eine Spendenbescheinigung. Für Sponsoring wird eine Rechnung ausgestellt, möglicherweise anfallende Steuern werden ausgewiesen. Kosten für Sponsoring sind als Betriebsausgaben unbeschränkt abzugsfähig. Für Spenden gelten steuerliche Höchstgrenzen.

Stakeholder
Stakeholder heißt übersetzt Teilhaber. In der Betriebswirtschaft verwendet man den Begriff für alle Personen oder Gruppen, die von den Aktivitäten eines Unternehmens direkt oder indirekt betroffen sind oder daher ein Interesse an diesen Aktivitäten haben. Ein anderer Begriff dafür ist Anspruchsgruppen. Stakeholder versuchen in aller Regel, Einfluss auf das Unternehmen zu nehmen. Stakeholder müssen nicht im direkten Verhältnis zu dem Unternehmen stehen, brauchen also beispielsweise keine Anteilseigner sein. Allgemein unterscheidet man zwischen internen Stakeholdern, zu denen Mitarbeiter und Investoren zählen, sowie externen Stakeholdern wie Gesellschaft oder Umwelt.
Man spricht vom Stakeholder-Ansatz, wenn unternehmenspolitisch die Ansprüche der verschiedenen Interessengruppen in den Vordergrund des unternehmerischen Handelns gerückt werden. Das Gegenstück ist der Shareholder Ansatz, bei dem sich ein Unternehmen primär an den wirtschaftlichen Zielen seiner Anteilseigner ausrichtet.

StGB – Strafgesetzbuch
Das Strafgesetzbuch (StGB) ist die Sammlung deutscher Gesetze, die das Strafrecht regeln. Im StGB finden sich neben Rechtsnormen auch Auflistungen von strafbaren Verhaltensweisen. Außerdem kann man dort nachlesen, welches Strafmaß vorgesehen ist. Jeder Staat verfügt über ein eigenes Strafgesetzbuch. Auf europäischer Ebene gibt es zunehmend Bemühungen, auch ein europäisches Strafrecht festzulegen.

Syndikus
Ein Syndikus ist ein Rechtsanwalt, der dauerhaft beschäftigt wird bei einem Unternehmen oder Verband, einer Stiftung oder Körperschaft – jedenfalls bei einem nichtanwaltlichen Arbeitgeber. Kernaufgabe ist es, in diesem Haus unabhängig und weisungsfrei Rechtsrat zu erteilen. Es gibt auch die alternativen Bezeichnungen Firmenanwalt oder Syndikus-Aanwalt. Ein Syndikus muss nach deutschem Recht stets ein bei einer Rechtsanwaltskammer zugelassen Jurist sein.

T

Transparency International
Transparency International ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich vor allem in der Korruptions-Bekämpfung engagiert, zusätzlich auch der Kriminalprävention. Transparency International (TI) agiert weltweit, ist politisch unabhängig, arbeitet gemeinnützig und wurde 1993 in Berlin gegründet. In den Jahresberichten von TI findet man stets aktuelle Analysen, Forschungsergebnisse, Handreichungen und Arbeitsmaterialien. Sehr bekannt ist der Korruptionswahrnehmungsindex, der Corruption Perceptions Index (CPI). Dieser Index listet jährlich Länder danach auf, wie korrupt Politik und Verwaltung in den jeweiligen Ländern im Vergleich wahrgenommen werden.

U

UN Global Compact (oft auch nur Global Compact)
Der Global Compact ist eine weltweite Initiative der Vereinten Nationen. Sie hat Regeln für verantwortungsvolle Unternehmensführung aufgestellt. Inhaltlich geht es um Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Klima sowie um Korruptionsprävention.
Inzwischen gibt es bereits mehr als 13.500 Unterzeichner, etwa 10.000 von ihnen sind internationale Firmen.

UNCAC – United Nations Convention against Corruption
Auch hinter der UNCAC stehen die Vereinten Nationen: Das ist ihre Convention against Corruption, also ihr Übereinkommen gegen Korruption. Die UNCAC ist ein weltweit gültiger, völkerrechtlich bindender Vertrag, mit dem Korruption bekämpft werden soll. Nationen, Unternehmen oder Organisationen, die den Vertrag unterzeichnen, verpflichten sich, Korruption in ihrem Wirkungsbereich zu bekämpfen und zu bestrafen.

Unternehmensethik
Unternehmensethik reflektiert die Frage, wie man im operativen Geschäft zugleich ökonomische und ethische Anforderungen berücksichtigen kann. Es geht auch darum, wie sich beide Sichtweisen in Unternehmensstrategien verankern lassen. Unternehmensethik reflektiert Werte und Verhalten im Unternehmen und macht Aussagen darüber, wie Leitbilder, Verhaltensrichtlinien und andere Werte im Alltag umgesetzt werden sollen. Dadurch gibt es einige Berührungspunkte mit der Führungsethik (Individualethik).

Unternehmenswerte
vgl. Werte

UWG – Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb
In Deutschland gilt das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, kurz UWG. Es regelt, wie sich am Markt teilnehmende Wettbewerber verhalten. So sichert es die staatlich vereinbarte Wirtschaftsordnung, die soziale Marktwirtschaft. Zugleich verhindert das Gesetz Unregelmäßigkeiten am Markt wie Monopolbildung und schützt Verbraucher vor Willkür und verbotenen Geschäftspraktiken.

V

Verbandssanktionengesetz (VerSanG)
Mitte 2020 kommt eine neue Gesetzeslage. Bislang gab es zur Verfolgung und Bestrafung von Non-Compliance in Unternehmen das Ordnungswidrigkeitenrecht und, je nach Art der Straftat, auch das Individualstrafrecht. Neu hinzu kommt der Typus der Verbandsstraftaten. Als Verband werden alle juristischen Personen und Personenvereinigungen verstanden. Neben Vermögens- und Steuerdelikten sollen auch strafbare Menschenrechtsverletzungen unter den Begriff fallen, ebenso wie Umweltdelikte und Straftaten gegen den Wettbewerb. Das Gesetz soll greifen, wenn eine Leitungsperson des Verbandes selbst eine Verbandsstraftat begeht. Ebenso aber auch, wenn eine andere Person eine Verbandsstraftat begeht, die man zu verhindern oder zumindest erschwert gewesen wären, wenn es angemessene Präventivmaßnahmen gegeben hätte, beispielsweise ein funktionstüchtiges Compliance-System. 

Verhaltensgrundsätze
vgl. Verhaltenskodex

Verhaltenskodex
Ein Verhaltenskodex legt Verhaltensregeln fest, die für eine bestimmte Gruppe gelten.
Im Wirtschaftskontext kennt man den Verhaltenskodex auch als Code of Conduct.
Gemeint ist ein für alle Mitarbeiter eines Unternehmens verbindlich gültiges Regelwerk. Es beschreibt, wie sich Mitarbeiter untereinander verhalten sollen und wie sich das Unternehmen durch seine Beschäftigten vertreten sehen will gegenüber Markteilnehmern (Wettbewerbern) und Kunden
Heute machen Verhaltenskodizes oft auch grundlegende Aussagen über die Unternehmenswerte und zu Anti-Korruption. Sie fordern generelle Rechts- und Regeltreue und benennen teils detaillierte Regeln zu einzelnen Themenfeldern, beispielsweise zur Einhaltung von Kartellrechtbestimmungen, zum Umgang mit Interessenskonflikten oder auch mit Zuwendungen und Geschenken (vgl. Code of Conduct).
Rechtgültig und bindend werden solche Verhaltensrichtlinien durch Zusätze zum Arbeitsvertrag, sofern sie nicht im Arbeitsvertrag direkt enthalten sind; ein weiterer Weg sind Betriebsvereinbarungen. Wird ein Verhaltenskodex neu eingeführt, dann tangiert das in der Regel auch die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats.

Vier-Augen-Prinzip
Das Vier-Augen-Prinzip ist ein Organisationsgrundsatz, der Korruption verhindern soll. Danach werden wichtige Entscheidungen nie von einer Einzelperson getroffen, sondern sollen von wenigstens einer weiteren Person zumindest kontrolliert werden.

Vorteilsnahme
Die Vorteilsnahme ist ein juristischer Begriff für strafbares Verhalten, den § 331 StGB regelt. Demnach liegt die Vorteilsnahme dann vor, wenn ein Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in der Ausübung seines Dienstes für sich oder für einen Dritten einen Vorteil fordert, sich einen Vorteil versprechen lässt oder annimmt. Dasselbe gilt auch für Amtsträger.
Eine Abgrenzung: Wenn der Mitarbeiter oder Amtsträger dies dafür tut, dass er eine Diensthandlung vorgenommen hat oder vornehmen wird und dadurch seine Dienstpflichten verletzt, so liegt Bestechlichkeit nach § 332 StGB vor.
In beiden Fällen geht es darum, dass Dienstausübung und Vorteilszuwendung in Verbindung gebracht werden, und zwar durch eine (zumindest stillschweigende) Unrechtsvereinbarung. Das Gesetz will jeden Anschein von Käuflichkeit bei Amtsträgern verhindern. Deswegen legt es auch fest, dass auch dann von Vorteilsnahme gesprochen wird, wenn es keinen Bezug zu einer konkreten Diensthandlung gibt.
Vorteilsannahme wird mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren geahndet; bei Bestechlichkeit sind es bis zu fünf Jahre (vgl. Bestechung / Bestechlichkeit).

W

Werte
Werte – ein großer Begriff, ein großes Thema. Allgemein unterscheidet man zwischen immateriellen Werten und materiellen Werten. Zu den immateriellen Werten zählen beispielsweise Wahrheit, Vertrauen und Freiheit. Materiellen Wert haben Haus, Geld, Auto und vieles mehr.
Werte im immateriellen Sinne kennzeichnen eine Idee, eine Norm oder eine Verhaltensweise. Diese Werte sind meist subjektiv: Sie werden von Einzelnen oder definierten Gruppen von Menschen als wichtig, wertvoll, erstrebenswert erachtet. Einige solcher subjektiven Vorstellungen haben sich verallgemeinert, beispielsweise Wohlstand, Friede und Gesundheit – da spricht man nun schon von objektiven Werten.
Wenn der Begriff der Werte im Kontext von Compliance, Werte-Management oder Integritätsmanagement erscheint, geht es in aller Regel um erstrebenswerte und moralisch oder ethisch als gut befundene Merkmale von Personen oder auch um Eigenschaften innerhalb einer definierten Gemeinschaft.
Aus den Werten einer Gemeinschaft entstehen Denkmuster, Glaubenssätze und Handlungsmuster. Im Unternehmen prägen Werte die Unternehmenskultur. Sie sind Bestandteile dieser Kultur und zugleich eine Art Visitenkarte der Firma. Werte geben dem Unternehmen Charakter und eine unverwechselbare Identität. Werte sind handlungsleitend für Mitarbeiter und Führungskräfte, denn sie geben Orientierung und Halt, Verhaltenssicherheit und Haltung.
Ein Unternehmen mit einer werthaltigen Kultur hat einen Ruf. Das ist auch eine Reputation, die Mitarbeiter mit diesem Unternehmen verbinden, für neue Mitarbeiter kann ein Unternehmen dadurch attraktiv werden.
Nicht die theoretische Definition von Werten ist wichtig, nicht das Aufschreiben und Reden darüber. Wichtig ist das Handeln, das von Werten getragen wird.

Werte-Management
Werte-Management ist ein Weg, um Firmen und Organisationen zu steuern und zu führen. Die Grundlage sind handlungs- und entscheidungsleitende Werte, zu denen man sich selbst verpflichtet, an die man sich bindet. Werte sollen Mitarbeitern Orientierung bieten für nicht klar geregelte Handlungsbereiche. So befähigt man sie zu selbstständigem und verantwortlichem Handeln und Verhalten. Im Werte-Management geht es wesentlich um die Förderung ethisch-moralischen Handelns.

Werte-Management-Bausteine
Für ein Werte-Management-System unterscheiden wir vier Bausteine. Baustein 1: Werte und Grundsätze – hier geht es drum, die leitenden Werte des Unternehmens zu formulieren und zu kodifizieren. Baustein 2: Regeln und Geschäftsprozesse – hierbei werden konkrete Prozesse und Konstellationen definiert, in denen die Unternehmenswerte konkret werden; hierfür werden Verhaltensgrundsätzen, Richtlinien und Handlungsanweisungen gestaltet, was auch intern und extern kommuniziert wird. Baustein 3: Management-Instrumente – im Fokus stehen Instrumente, mit denen Werte schrittweise in gelebte Praxis umgesetzt werden, wie Schulungskonzepte oder auch die Einrichtung einer Ombudsstelle. Baustein 4: Organisation – hier werden Arbeitsstrukturen für die Personen geschaffen, die fürs Werte-Management-System besondere Verantwortung übernehmen.

Werte-Management-Systeme
Werte-Management-Systeme sind firmenspezifische Instrumente, die helfen sollen, die handlungsleitenden Werte einer Organisation oder eines Unternehmens zu definieren und im Geschäftsalltag mit Leben zu füllen. Dies geschieht meist durch eine Selbstbeschreibung der Organisation („Wer wir sind“) und eine Selbstbindung an definierte Unternehmenswerte („Wie wir miteinander umgehen wollen“).
Dadurch erhält die Organisation eine einzigartige Identität. Kooperationspartnern wird damit signalisiert, auf was sie sich einlassen. Mitarbeitern wird signalisiert, welches Verhalten von ihnen erwartet wird. An den Werten der Organisation lässt sich auch die Auswahl von Kooperationspartnern ausrichten, also Lieferanten, Kunden und Mitarbeitern.

WerteManagementSystemZfW
Das WerteManagementSystemZfW des Zentrums für Wirtschaftsethik (ZfW) gilt als Standard für Seriosität und Nachhaltigkeit in der Unternehmensführung. Das Zentrum für Wirtschaftsethik (ZfW), Forschungsinstitut des Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik (DNWE), hat dieses Instrument selbst entwickelt. Ziel ist es, eine umfassende Unternehmenssicherung in allen Managementbereichen zu gewährleisten, indem eine auf Integrität und Leistung beruhende Geschäftskultur aufgebaut und erhalten wird. Der Standard WMSZfW ist dabei speziell auf deutsche und europäische Unternehmenskulturen zugeschnitten.
Inzwischen ist dieser Standard vielerorts zu einer Grundlage geworden: In Verbindung mit Compliance-Anforderungen haben sowohl die Bauindustrie als auch die deutsche Immobilienwirtschaft das System übernommen und zur Grundlage für deren Pflichtenhefte gemacht, die eigene werteorientierte Compliance-Systeme definieren. 

Werteorientierte Compliance
Werteorientierte Compliance bedeutet: Standards und Normen werden eingehalten, ebenso wie die Grundsätze integrer, anständiger und verantwortungsbewusster Unternehmensführung. Das beschränkt sich nicht allein darauf, sich an Gesetze zu halten, Vorschriften und Regeln zu befolgen (Legal Compliance). Es geht darum, ein Unternehmen und seine Aktivitäten konsequent auszurichten an Werten, Prinzipien und Normen einer modernen Geschäftsethik.

Whistleblower
Whistleblower sind Hinweisgeber. Im Wirtschaftskontext wird der Begriff verwendet, wenn ein Hinweisgeber im Arbeitsumfeld aktiv wird, um Missstände aufzudecken. Whistleblower handeln oft aus Gewissensgründen oder Zivilcourage. Sie wollen unfaire Geschäftspraktiken und Fehlverhalten nicht hinnehmen. Sie handeln, damit Arbeitgeber oder auch Öffentlichkeit informiert werden über illegale Handlungen.
Zu den Dingen, die aufgedeckt werden, gehören Missstände und Verbrechen wie Korruption, Insiderhandel, Menschenrechtsverletzungen, Datenmissbrauch oder Umweltverschmutzung.
Es gibt viele bekannte Fälle von Whistleblowing: Cambridge Analytica, Panama Papers, Football Leaks, Rui Pinto und Julien Assange. Einer der bekanntesten Whistleblower ist Edward Snowden.

Whistleblower-Hotline
Viele Firmen richten eine Whistleblower-Hotline ein. Das ist ein meist firmeninterner Service, den man in der Regel auch anonym nutzen kann. Auf diesem Kanal kann man Unregelmäßigkeiten oder Missstände melden. Manche Hotline erfassen die Identität auch, geben die Informationen dann aber anonymisiert weiter an die Geschäftsführung.
Das EU-Parlament hat 2019 eine Whistleblower-Richtlinie veröffentlicht. Sie regelt Meldewege für Whistleblowing und schützt Hinweisgeber vor Vergeltungsmaßnahmen. Bei der Nutzung einer Whistleblowing-Hotline sind länderspezifisch unterschiedliche rechtliche Anforderungen zu berücksichtigen. Insbesondere im angloamerikanischen Raum gibt es die Einrichtung des „Business-Practices-Office (BPO)“. Das ist eine Einrichtung, die Meldungen über vermutetes Fehlverhalten entgegennimmt, von internen wie auch von externen Informanten.

Wirtschaftsethik
Von Wirtschaftsethik spricht man, wenn ethische Prinzipien im Kontext von wirtschaftlichen Aktivitäten reflektiert werden. Wirtschaftsethik stellt die Frage nach dem Zusammenhang zwischen den ökonomischen Fundamenten einerseits und andererseits dem menschlichen Handeln, das durch gesellschaftliche Normen und Werte geprägt ist.
Wirtschaftsethik umfasst Fragen des individuellen Handelns (Individualethik) und des institutionellen Handelns und Verhaltens (Unternehmensethik). Es geht um Fragen der Arbeitswelt, der Umwelt und der grundsätzlichen Wirtschaftsverfassung. Daraus ergeben sich Berührungspunkte zur Wirtschaftspolitik.

Wirtschaftskriminalität
Für Wirtschaftskriminalität gibt es in Deutschland aktuell keine einheitliche und anerkannte Definition.
Der Begriff Wirtschaftskriminalität umschreibt alle Straftaten, die in, an und durch Unternehmen begangen werden oder die einem Unternehmen Schaden zufügen können. Das sind viele, darunter Betrug, Untreue, Diebstahl, Unterschlagung, Werksspionage, Sabotage, Patentverletzungen, Markenpiraterie, Produktpiraterie, Softwarepiraterie, Finanzdelikte, Arbeitsdelikte, Wettbewerbsdelikte, Insolvenzdelikte, Kapitalanlagenbetrug, Computer- und Cyberkriminalität oder auch Korruptionskriminalität.
Wirtschaftskriminalität gilt heute als ein Faktor, der das internationale Wirtschaftswachstum negativ beeinträchtigt – sogar als zentraler Faktor mit langfristigen und nachhaltigen Auswirkungen. Um Wirtschaftskriminalität zu bekämpfen, geht man vor allem gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung vor. Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht jährlich als Lagebericht das „Bundeslagebild Wirtschaftskriminalität“.

Z

Zertifizierung
In einem Zertifizierungsverfahren wird nachgewiesen, dass ein System bestimmten definierten Anforderungen entspricht. Dies können branchenspezifische Anforderungen von Verbänden oder Vereinen sein, die ein entsprechendes Zertifikat erteilen. Zertifizierungen werden meist auf freiwilliger Basis durchgeführt. Ein Teil eines Zertifizierungsverfahrens ist oft ein Audit, welches von einem unparteilichen Dritten ausgeführt wird. Meist entscheidet ein Komitee oder eine übergeordnete Organisation darüber, ob das in der Regel zeitlich befristete Zertifikat erteilt wird.

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