Kollegiale Beratung – Lernen voneinander und miteinander

 

Was ich immer besonders gern erlebe: wenn Teams und Kollegen aneinander wachsen.
Das tun sie natürlich auch im Alltag. Aber es gibt einige Tools, mit denen man die Entwicklungen gezielt fördern und voranbringen kann: beispielsweise die Kollegiale Beratung.

Das klingt ein bisschen nach Kaffeeküche – falsch. Gemeint ist hier tatsächlich nicht der normale Alltags-Austausch, kein Smalltalk. Hier geht es um ein professionell gestaltetes Gespräch mit einer vorgegebenen Struktur. Dieses Gespräch findet in einer Gruppe statt, in einem geschützten, geregelten Rahmen. Ich empfehle Gruppen mit sechs bis zehn Mitgliedern, die sich regelmäßig treffen.

Die Kollegiale Beratung eignet sich sehr gut, um berufliche Fragen und Situationen zu klären. Die Teilnehmer der Gruppe tragen ihre Praxisfragen, Probleme und „Fälle“ vor. Man kann Führungsfragen und Entscheidungssituationen besprechen. Gemeinsam werden Lösungsalternativen entwickelt. Es gibt keinen Berater von außen, der in die Gruppe kommt, keinen Experten. Die Kollegen sind die Experten und Berater – daher der Begriff Kollegiale Beratung.

Innerhalb der Gruppe lernen alle voneinander und miteinander. Weil es mehrere Teilnehmer sind, die idealerweise aus unterschiedlichen Bereichen stammen, entstehen für jede Problemstellung eine Vielzahl an Perspektiven und unterschiedlichen Lösungsansätzen.

Voraussetzungen schaffen

Meiner Erfahrung nach müssen ein paar Voraussetzungen passen, damit die Gespräche fruchten: Vertrauen untereinander und gegenseitige Wertschätzung finde ich zentral. Außerdem sollte allen klar sein, dass mit den Inhalten absolut vertraulich umgegangen wird.

Wer eine solche Gruppe ins Leben ruft, sollte noch einige weitere Punkte im Blick haben: Innerhalb der Gruppe sollte es möglichst keine größeren internen Spannungen oder Konflikte geben – damit alle sich sicher sein können, dass man wirklich gemeinsam konstruktiv an Lösungen arbeitet. Meist ist es auch nicht ideal, wenn innerhalb einer Gruppe hierarchische Beziehungen bestehen.

Ich persönlich halte Kollegiale Beratung für ein sehr wirksames, sehr intelligentes und auch wirtschaftlich sinnvolles Tool. Zwischenmenschlich gibt es einige Vorteile: Die Struktur sorgt dafür, dass sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst aktiv beteiligen. Sie können voneinander und miteinander lernen, und sie erleben Rückhalt und Solidarität im Kollegenkreis. Die Methoden sind hier besonders lösungs- und handlungsorientiert.
Fürs Unternehmen ist diese Art zu arbeiten sehr kostengünstig, weil nach einer einführenden Schulung für Multiplikatoren keine externe Moderation mehr gebraucht wird.

So sieht die Praxis aus

Und wie läuft das Ganze in der Praxis ab? Die Teilnehmer übernehmen in den Gesprächen verschiedene Rollen – aber nicht immer dieselben, da wird ständig getauscht. Sinnvoll sind jeweils einstündige Sequenzen. Es gibt für jeden Fall einen Moderator, der dafür sorgt, dass die Kommunikationsregeln eingehalten werden. Und eine Gruppe aus Kollegen, die als Berater aktiv sind.

Jede Beratung verläuft in Phasen, die von vornherein feststehen. Diese Phasen und die feststehenden Rollen geben allen Beteiligten grundlegende Sicherheit. Die Phasen leben von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit, von Hypothesen, Eindrücken, Vermutungen oder sonstigen Wahrnehmungen.

Phase 1: Zuhören. Hier schildert derjenige, der das Thema mitbringt, seinen Fall oder sein Problem.

Phase 2: Nachfragen. Die Gruppe stellt Verständnisfragen.

Phase 3: Erörterung. Die Gruppe diskutiert Alternativen und Lösungswege.

Phase 4: Diskussion. Die Gruppe bespricht mit demjenigen, der das Thema mitgebracht hat, was für die Praxis zutrifft.

Phase 5: Entscheidung. Derjenige, der das Thema mitgebracht hat, wählt eine Sichtweise und auch seine Lösung.

Das einzige, was Sie brauchen: Starthilfe vom Profi. Indem wir Moderatoren schulen, schaffen wir die Voraussetzungen, dass künftig Gruppen selbstständig arbeiten können. In der Schulung werden Regeln und Kommunikationsabläufe bearbeitet und verinnerlicht, und wir sammeln gemeinsam erste Erfahrungen.
Eine solche Schulung umfasst idealerweise vier bis fünf halbe Tage, um mit der Methode vertraut zu werden. Sinnvoll ist ergänzend noch ein halber Tag direktes Training, ein „Train the Trainer“, um die Moderatoren fit zu machen.

Wenn Sie darüber nachdenken, Kollegiale Beratung im Rahmen Ihrer Personal- oder Führungskräfteentwicklung einzusetzen, informiere ich Sie gern.

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